RSC BUCHHOLZ
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Gerry´s Bericht zum IRONMAN Hawaii


Die erste Woche war überwältigend. All die Namen, die ich bis dato nur aus Erzählungen und TV-Sendungen her kannte, tauchten jetzt leibhaftig vor meinen Augen auf, die Palani Road, der Alii Drive, das Energy Lab et cetera. Es baute sich langsam aber kontinuierlich eine besondere Spannung auf. Die erste Trainingseinheit im Ozean war traumhaft, inmitten der Korallen und bunten Fischschwärme, begleitet von Delphinen schwimmen zu dürfen, ... ein einzigartiges Erlebnis. Obwohl ich eigentlich nicht gerne schwimme, zählte ich allmorgentlich zu den Ersten am Pier, die sich in den Wellen tummelten.

Laufen am Alii Drive und Radausfahrten auf dem Queens Highway rundeten die letzte Woche ab. Die Spannung stieg und der Wettkampf konnte kommen.

Jetzt bloß nichts verkehrt machen, den Chip nicht vergessen, den Shuttle-Bus verpassen usw. Finishen steht schließlich an oberster Stelle, DNF oder DNS wäre der Super-GAU.

Ich hatte mir extra ein paar neue Radschuhe besorgt, und meine neuen Zipps angezogen. Die Schnellen sollten es richten, vorne 808, hinten 1080. Es sollte sich rächen........

Das Race begann mit dem Body Marking, dem obligatorischen Bike Check und ab ins Wasser.

Gerry mit einer freundlichen Helferin (Gerry links!)Alle Vorsichtsmaßnahmen wurden und sollten getroffen werden. Beim Schwimmen hinten anstellen, bloß keine Prügelei. Doch selbst in meiner Preisklasse wurde bis zum Schluß um jede Platzierung und jedes Paar guter Füße gekämpft. Mit meiner Zeit von 1:26 ohne Neo war ich zufrieden. Schnell gewechselt und ab aufs Rad. Mit "schnellen" Laufrädern und der Gewissheit einer guten Radform ließ sich der Radkurs gut an. Die Verpflegung war bestens und ich begann das Rennen zu genießen. Ca. 30 km vor Hawi (Wendepunkt) sollte sich das ändern. Der aufkommende Seitenwind sorgte dafür, daß ich die Aeroposition nicht halten konnte und ich Oberlenker fahren musste. Ich wurde deutlich langsamer, überholte kaum noch. Mittlerweile kam mir das Profifeld entgegen, viele davon in ca. 20° Seitenlage zur Stabilisierung des Rades. Mir schwante Böses, hatte ich doch vorher die Warnungen vorne 808 zu fahren in den "Wind" geschrieben.

Nach dem Wendepunkt in Hawi ging es dann mit Gefälle zurück nach Kona. Meine Befürchtungen wurden noch übertroffen. Permanenter Seitenwind wurde noch getoppt von plötzlich auftauchenden Böen, die mich brutal durchschüttelten. Selbst ein Fahren auf dem Oberlenker wurde mir zu heikel, ich musste bei Tempo 70 leider abbremsen, das Risiko war mir zu hoch. Es war halt ein Fehler in Hawaii mit europäischen Winden zu rechnen.

In Höhe Kawaihae ließ dann der Wind wieder eine Aeroposition zu und ich konnte wieder Fahrt aufnehmen. Ich war gespannt auf meine Splitzeiten.

Jetzt kam so langsam auch die berüchtigte Hitze ins Spiel und das Überholen wurde mühsam. Jetzt bloß nicht überziehen, das Projekt Hawaii nicht in Gefahr bringen. Bei km 140 fingen die Füße an zu brennen. Die neuen Schuhe waren also doch noch nicht ausreichend eingefahren. Noch ein Anfängerfehler.

Zumindest wurde ich von Platten verschont, denn im Schlauchreifenwechseln habe ich nicht den schwarzen Gürtel, sprich keine Erfahrung. Gegen 14h erreichte ich wieder Kona und hatte auch einen flotten Wechsel.

Gerry im nächtlichen GerätedschungelDas Laufen fiel mir sehr schwer und ich kam kaum in die Gänge. Ich überholte auch kaum welche, ganz im Gegenteil, ich wurde passiert. Es waren halt die Weltmeisterschaften und keine Volkstriathlons. Jetzt kam auch noch ein Zwicken im hinteren Oberschenkel dazu, ein Krampf drohte sich anzukündigen. Na Prost Mahlzeit! Zunächst dacht ich an Gehpausen, doch außer mir wäre dann keiner in diesem Modus gewechselt, also ließ ich es. Früher als geplant griff ich zu Cola, und es sollte mal wieder die Wunderwaffe sein. Bei jeder Verpflegung gab es Wasser, Cola, Eis und -Schwämme, genau in der Reihenfolge. Das Eis verschwand flux im SSF Einteiler und verschaffte im gesamten ääääRennverlauf eine angenehme Kühlung.Ich hatte einen müden aber konstanten Schleppschritt, den ich gut halten konnte. Im Energy Lab (km 28) stellte ich meine ersten Hochrechnungen an und stellte fest, daß bei einer leichten Tempoverschärfung noch eine 10er Zeit drin wäre. Ich versuchte also die Schlagzahl zu erhöhen, wurde aber von dem regelmäßig auftretenden Ziehen im Oberschenkel wieder davon abgehalten. Mit einer Art Kniehebellauf konnte ich dem entgegenwirken und näherte mich Meile für Meile meinem großen Ziel. Am Ende reichte es nicht ganz für die 10 vorne, aber mit 11:02 bin ich jetzt Hawaii Day-Light Finisher und glücklich, den Ritterschlag für Triathleten im Empfang genommen zu haben.

Bevor ich hiergekommen bin sagte ich, Hawaii einmal finishen reicht, heute sage ich, irgendwann mal wiederkommen wäre sehr schön. Beim nächsten AK Wechsel werde ich es wieder versuchen. Es ist einfach ein geiles Gefühl, hier zu finishen, was Besonderes.

Gerry, Kathrin und Daniel Mannweiler, Georg von Schrader (v.l.n.r)Besonders beeindruckt war ich von den vielen freundlichen Volonteers, der perfekten Organisation (besonders der Check-Inn), der Pasta und Award Party mit traditionellen Einlagen und von der Begeisterung, mit der die Veteranen ihren Sport betreiben. Der älteste Finisher war 80 Jahre und will nächstes Jahr wiederkommen. Er war 2010 eine Minute schneller als vor 25 Jahren. Unglaublich...


Ich freue mich jetzt auf Urlaub, an Clearwater denke ich heute noch nicht.